Was ist fair-fish?

Was ist fair-fish?

Fair-fish ist eine non-profit Organisation (was denn sonst), die sich für fischgerechte und nachhaltige Fischerei einsetzt. Sie berücksichtigt dabei ökologische, ethische und wirtschaftliche Massstäbe.
Viele kennen inzwischen das MSC und Dolphin-Safe Label, die oft gemeinsam auftauchen und fragen sich vielleicht, ob das nicht reicht. Meine Antwort darauf ist ein klares Nein und wird in der Folge anhand eines Beispiels begründet.
Wenn auch alle verschiedenen Labels wertvolle Schritte in die richtige Richtung angeregt haben, bleiben grundsätzliche Fragen unberührt, allen voran WIE die Fische gefangen und getötet werden. In dieser Hinsicht unvergessen und eindrücklich bleibt mir mein Ausflug auf einem Fischkutter in Italien in Erinnerung, auf den mich die Fischer freundlicherweise mitgenommen haben und den ich hier exemplarisch wiedergeben möchte.

Ein kleiner Kutter, 3 Mann Besatzung und ich. Mitten in der Nacht fuhren wir aus dem Hafen hinaus aufs Mittelmeer. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich an den Wellengang gewöhnt und mein Magen sich beruhigt hatte. Während ich auf Deck den nahezu unsichtbaren Horizont fixierte, nahm ich nur undeutlich wahr, welche Handgriffe zur Vorbereitung ausgeführt wurden. Doch irgendwann war alles bereit und das Netz wurde ins Wasser gelassen. Naiv, wie ich war, glaubte ich, die Fischer hätten an irgendwelchen Anzeichen Fischreichtum abgelesen und darum ihr Netz ins Wasser geworfen. Gebannt wartete ich daher aufs Einholen. Und wartete. Und wartete. Nichts geschah, das Schiff fuhr weiter und schleppte das Netz durchs Wasser. Darauf angesprochen erwiderten die Fischer leicht amüsiert, es gäbe nicht mehr genügend Fische, um anders als mit Schleppnetzen genügend Ertrag zu erwirtschaften, allerdings gingen ihre Netze nicht auf Grund. Ernüchtert hing ich meinen Gedanken nach, verglich meine (oft erfolglosen) Versuche im Fischen von Hand, mit Netz und Rute im damals noch üppigen Fischbestand in Strandnähe mit diesem Kutter, meinen diesbezüglich eindeutig zu romantischen Vorstellungen und riesigen Fischtrailern. Ein mulmiges Gefühl machte sich breit, das nichts mehr mit dem Wellengang zu tun hatte.
Nach einer endlos langen Zeit, in der wir einfach über das Meer fuhren, das Netz im Schlepptau, wandten sich meine Gedanken den ersten Fischen zu, die ins Netz gegangen sein mochten. Was ich mir ausmalte war nichts für sanfte Gemüter, sollte sich jedoch kurz darauf, als das Netz eingeholt wurde, bewahrheiten.
Der Inhalt des Netzes wurde aufs Deck geleert und ein riesiger Haufen zuckender, zappelnder Fische ergoss sich über den Boden. Der Fang war gut in meinen Augen, nicht schlecht in denen der Fischer. Ich hielt mich abseits, um den Jungs nicht im Weg zu stehen und beobachtete das emsige Treiben, liess meine staunenden Augen herumwandern. So viele verschiedene Fische, Krebse, Jakobsmuscheln! Doch ein erstaunlich grosser Teil der Fische bewegte sich nicht mehr. Mitten drin die fleissig sortierenden Fischer, ein gut eingespieltes Team. Für meine Augen und meine Pfanne gute Fische wurden massenhaft über Bord geworfen, sehr zur Freude einer immer grösseren Schar Möwen, der Rest eilig aussortiert, ausgenommen und in Behälter gelegt, um später am Markt verkauft zu werden. Hier sah ich meine Möglichkeit zu helfen und für meine Anwesenheit eine Gegenleistung zu erbringen.
Beim Ausnehmen der Fische konnte ich den Männern meine auf der Seele brennenden Fragen stellen und erfuhr, dass meine für gut erachteten Fische keine Abnehmer fänden. Zu klein, zu lange im Schleppnetz gelegen (sic). Gute Weissfische, wohlbemerkt. Für einen günstigeren Preis? Als Tierfutter? Nein, nicht rentabel. Würde ein grossmaschigeres Netz helfen, unnötigen Beifang zu vermeiden? Achselzucken, nein, da würden auch zu viele der brauchbaren Fische durchgehen. Krebse und andere Krustentiere leben doch am Meeresboden, geht das Netz doch auf Grund? Ja, aber nicht so tief, wie die Netze der grossen Trailer. Die würden den Meeresgrund richtig pflügen, ihr Netz jedoch nicht. Ein Ortungsgerät für Fischschwärme, um nicht schleppen zu müssen? Zu teuer.
Was ich auch fragte, nichts schien möglich, um ökologischer und humaner zu fischen, das Bewusstsein für die Problematik praktisch inexistent oder die Haltung resigniert. Meine Sympathien geteilt. Ich habe in dieser Nacht vieles über das harte Leben, den Existenzkampf dieser drei hart arbeitenden Männer erfahren, von Nächten ohne Ertrag, den hohen Kosten, der Ungewissheit, aber auch das Abenteuer, die Freiheit und den Geschmack wirklich frischen Fisches gekostet. Ich fühlte und fühle aber auch eng mit dem Meer mit, den unnötigen, sinnlosen Toden, dem qualvollen Ersticken und Erdrückt-werden im eigenen Element, dem Raubbau an den scheinbar unerschöpflichen Ressourcen, deren Rückgang ich selbst bezeugen kann, wenn auch nur in bescheidenem Umfang. Kein Wunder esse ich kaum Fisch. MSC und Delphin freundlich, Wildfang oder wenigstens Bio, das ist das Minimum, was erwartet werden muss, will man echte Qualität auf dem Teller haben. Doch das Minimum ist noch lange nicht optimal. Schleppnetze gehören meiner Ansicht nach verboten. Sie schädigen den Meeresgrund, verursachen unnötiges Leid, fischen unnötigerweise mehr als benötigt. Für dieses Anliegen setzt sich leider der vom WWF gepushte MSC nicht ein und Dolphin SAFE ist zwar gegen Schleppnetze, doch deren Augenmerk liegt auf dem Thunfischfang, wo keine Schleppnetze benötigt werden. Friends of the Sea schreibt immerhin vor, dass der Meeresgrund nicht beeinträchtigt werden darf und legt den Beifang auf max. 8% fest. Doch 8% von 1000 Tonnen sind immer noch 80 Tonnen. 80 Tonnen zu viel. Zu viel Qual und unnötigen Tod, angetrieben von einer immer hungrigeren Industrie, die auch die Kleinfischer um ihren Ertrag bringt. Nur der Konsument hat die Macht, hier langfristig eine Änderung zu bewirken, indem er steuert, was auf seinem Teller landet.
Fair-fish schliesst die Lücken, indem sie auf unbedingte Nachhaltigkeit und Respekt für alle Beteiligten fördert. Fair-fish ist bisher einzige Organisation, die sich sowohl der Methoden des Fischfangs und des fairen Tötens annimmt sowie die Existenzsicherung der Fischer berücksichtigt. Fair-fish ist das strengste und umfassendste Label für Fisch und setzt neue Massstäbe für verantwortungs-bewussten Umgang und lebensnahe Qualität, in Wildfang, Zucht, Verarbeitung, sozialen Arbeitsbedingungen, Existenzsicherung und fairen Handel.
Dieses Bewusstsein, diese Richtlinien müssen von uns Konsumenten der Industrienationen ausgehen, da wir keinen Mangel leiden. Die Industrie hat von sich aus kein Interesse, die ach so bequemen Standards zu ändern, für Kleinfischer ist das MSC Label schlicht unbezahlbar und Fischer aus Drittwelt-Ländern können nur durch unsere Nachfrage überzeugt werden, vom Dynamitfischen oder anderen zweifelhaften Methoden auf nachhaltige Fischerei umzusteigen.
Es geht hier nicht um weltfremde Kuschelpolitik, sondern um ethisch und ökologisch korrekte Richtlinien, die wir in Zukunft hoffentlich in allen Bereichen so verinnerlichen, dass sie obsolet werden.
Fair-fish setzt daher für mich die richtigen Massstäbe. Denken wir weiter. Fair-Huhn, Fair-Rind, Fair-Mensch. Fair.


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